Briefmarken

Wohl jeder Mann ist in seiner Kindheit oder Jugend mit Briefmarken als Sammelobjekte in Berührung gekommen. Der Verfasser dieses Artikels erinnert sich auch heute nach Jahrzehnten noch daran. So waren es damals in einer kleinen brandenburgischen Stadt zwei oder drei Klassenkameraden, die sich zusammentaten und anfingen, Briefmarken zu sammeln. Da man selbst noch keine Briefe oder Postkarten erhielt, wurden von Vater, Mutter, Onkeln und Tanten, Omas und Opas sämtliche Briefumschläge requiriert und von Postkarten die Ecken abgeschnitten, auf die die Marken aufgeklebt waren. Selbst die Nachbarschaft wurde nicht vor nervigen Nachfragen verschont. Die Marken wurden dann über Wasserdampf abgelöst, wobei man sich schon einmal die Finger verbrühen konnte. Nach dem Ablösen trockneten wir die feuchten Marken zwischen Löschpapier, das mit Büchern beschwert wurde, damit die Briefmarken dann auch schön glatt waren. Dabei musste darauf geachtet werden, möglichst wenig faserndes Löschpapier zu verwenden, denn wer hatte es schon gern, wenn an den Marken die Fasern kleben blieben.

Anfangs wurde die Jagdbeute in Zigarrenschachteln aufbewahrt und zu konspirativen Treffen erschienen wir mit unserer Zigarrenschachtel unter dem Arm, um unsere neuen Schätze gemeinsam zu betrachten. Meistens ergatterten wir nur inländische Marken und Briefmarken aus dem Ausland waren etwas ganz Besonderes.

Wir erfuhren nun, dass es in unserem Städtchen einen Briefmarkenzirkel gab. Das machte uns neugierig und wir gingen dort hin, weil das ja etwas ganz besonders Spannendes sein musste. Der Zirkel traf sich einmal in der Woche im Kulturhaus der Eisenbahner. Dort sahen wir erstmals ordentlich in Alben zusammengestellte Briefmarkensammlungen und waren tief beeindruckt von der Vielfalt und Farbenpracht der Sammlungen.

Wir erbaten von unseren Eltern als nächstes Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk nun Briefmarkenalben. In diese steckten wir unsere Schätze jetzt fein säuberlich nach Ländern und Motiven systematisiert ein.

In der Schule hatten wir Russisch als Pflichtfach. Es ergab sich nun die Möglichkeit, an Adressen von sowjetischen Schülern zu kommen. So trat ich mit 2 oder 3 Pionieren aus der Sowjetunion in Briefwechsel und plötzlich bekam ich Briefmarken aus diesem Land – welch eine Freude ! Das Briefmarkenalbum wurde bunt und bunter.

Allerdings erhielt sich die Leidenschaft des Briefmarkensammeln nicht lange. Mit 16 oder 17 wurden andere Interessen spannender. Man interessierte sich jetzt mehr mehr für Fußball, Beatmusik und natürlich Mädchen. Die eine oder andere war später durchaus nicht abgeneigt, gemeinsam die Briefmarkensammlung anzuschauen.